Allgemeines zur Frauengesundheit

Frauen heute

Die Lebenserwartung der Frauen hat sich in den westlichen Ländern in den letzten Jahrzehnten verdoppelt oder sogar verdreifacht. Folglich besteht die Herausforderung, den Gewinn an Lebensjahren in physischer, emotionaler, persönlicher und sozialer Hinsicht zu erhalten. Als Gynäkologin ist es mein Wunsch, einen wichtigen Beitrag zur Gesundheit der Frauen zu leisten und meine Patientinnen im ganzheitlichen Sinne zu betreuen.

Bis vor kurzem wurde Gesundheit geschlechtsneutral gesehen. Auf die spezifischen Anforderungen von Frauen und Männern wurde nicht eingegangen. Aber Frauen und Männer sind anders. Die Unterschiede betreffen die Organe, den Hormonhaushalt, den körperlichen Rhythmus, die Körperwahrnehmung sowie die Einstellung zum eigenen Körper.

Männer definieren Gesundheit als die Abwesenheit von Krankheit und Leistungsfähigkeit. Frauen verbinden Gesundheit eher mit Wohlbefinden und (positivem) Körpererleben („sich wohl in seiner Haut fühlen“).

Anfang des 20. Jahrhunderts wurden Frauen im Schnitt 48 Jahre alt, heute werden sie durchschnittlich 81 und leben damit rund sechs Jahre länger als Männer.

Verschiedene Gründe dafür stehen zur Diskussion: Frauen haben eine bessere biologische Konstitution und Immunabwehr, sie achten mehr auf sich und führen einen weniger riskanten Lebensstil.

Sie verhalten sich im Haushalt, am Arbeitsplatz und im Verkehr vorsichtiger, sie können Krankheitssymptome eher deuten und suchen schneller einen Arzt auf, auch kümmern sie sich um das gesundheitliche Wohl der Familienmitglieder (Pflegeurlaub).

Sozialer Druck lastet auf Frauen

Doch Frauen haben ein höheres Erkrankungsrisiko, weil sie unter größerem sozialen Druck stehen: Sie sollen stets attraktiv, fit und dynamisch sein. Sie sind auch in höherem Ausmaße als Männer von Vereinsamung im Alter und Armut betroffen. Zudem sind Frauen durch ihre Mutterrolle und diverse Mehrfachbelastungen einer hohen physischen und psychischen Belastung ausgesetzt. Sollen Krankheiten verhindert werden, so müssen alle diese Faktoren berücksichtigt werden.

Beim männlichen Arzt werden Frauen leider immer noch oft anders behandelt als Männer: So müssen sie doppelt so oft zum Arzt gehen, damit ihre Symptome ernst genommen werden. Ihre Beschwerden werden auch eher als psychosomatisch gedeutet. So diagnostizieren Ärzte bei Frauen eher psychische Störungen (wie zum Beispiel Depressionen), als bei Männern. Frauen bekommen auch häufiger Beruhigungs-, Schlaf- oder Schmerzmittel oder Psychopharmaka verordnet. Deshalb fühlen sich viele Frauen bei einer weiblichen Ärztin besser aufgehoben.